News aus Lesbos!

Max berichtet aus Lesbos:


«Nach acht Tagen im Camp in Piräus haben Nicolas, Michelle und ich uns dazu entschieden, nach Lesbos zu reisen. Auch wenn ich nur gut eine Woche im Camp von Piräus mitgeholfen habe, traf ich in dieser Zeit sehr viele interessante und herzliche Menschen. Für mich persönlich machte es gar keinen grossen Unterschied ob dies Flüchtende oder Volunteers, wie ich selber, waren. Vielleicht ein naives Empfinden, denn es gab sehr wohl grosse Unterschiede: Wir, die Volunteers, konnten uns am Abend in unsere Wohnungen zurückziehen, die Flüchtenden nicht. Wir konnten ins Lager eintreten ohne kontrolliert zu werden, während von den Flüchtenden jedes Mal die Papiere verlangt wurden. Dies sind nur zwei Beispiele von vielen. Und doch hat mich das Zusammenleben in Piräus sehr berührt. Ich konnte in dieser Zeit viel für mich und meine Einstellung mitnehmen. Der Abschied von all diesen wunderbaren Menschen fiel mir sehr schwer. Ich war noch nie gut im Abschied nehmen, aber dieses Mal traf es mich besonders. Ich weiss nicht, ob ich noch einmal die Ehre haben werde, diese Menschen zu treffen. Ich würde es mir sehr fest wünschen.

Attika bei unserer Ankunft...

Attika bei unserer Ankunft...

Wir haben uns entschieden nach Lesbos weiter zu reisen, da wir von SAO angefragt wurden, ob wir das Lagerhaus "Attika" betreuen können.

Attika ist eines der grössten Lagerhäuser auf Lesbos und verteilte zu Spitzenzeiten Güter im Wert von bis zu 2000 Euros pro Tag. Das Lagerhaus wurde von Nefeli geleitet, welche bereits eine feste Struktur aufgebaut hatte und weit über Mytilini bekannt ist. Die eingeplante Nachfolgerin, welche selber auf der Flucht ist, musste nach wenigen Tagen nach Athen weiterreisen. In der kurzen Zeit, in welcher das Lagerhaus nicht betreut war, hatte sich bereits eine ziemliche Unordnung ergeben.

In Lesbos angekommen, wurde uns der Schlüssel zum Lagerhaus übergeben. Genaue Instruktionen oder Anweisungen haben wir nicht erhalten. Raquel von SAO bemühte sich in der Zeit, die Leute und Organisationen auf Lesbos wissen zu lassen, dass das Lagerhaus wieder betreut ist. So wurden wir diversen Whatsapp-Gruppen hinzugefügt, über welche der Grossteil der Kommunikation zwischen den Organisation auf den Inseln läuft.
Die Situation war für mich zu Beginn ziemlich überfordernd, da ich noch nie etwas in der Art gemacht und koordiniert habe. Das Gefühl verstärkte sich, als ich das Lagerhaus zum ersten Mal betrat. Es türmten sich Kartonkisten mit Schuhen, T-Shirts, Jacken, Spielzeug, Schlafsäcken und verschiedensten anderen Dingen. Das System von Nefeli war noch ersichtlich, uns wurde aber schnell klar, dass uns hier viel Arbeit erwarten wird. 
Die Idee von Attika ist, dass die Organisationen welche in den verschiedenen Camps tätig sind, sich bei uns melden, wenn Sie „non-food-items“ brauchen. Diese Dinge werden dann von uns bereitgestellt und entweder geliefert oder von den Organisationen abgeholt. Wie sich schnell zeigte, ist dies eine anspruchsvolle, interessante und sehr wichtige Aufgabe.

... und nach unseren ersten Stunden Arbeit.

... und nach unseren ersten Stunden Arbeit.

Nach unserem ersten Besuch im Attika wollten wir uns auch einen Eindruck der Lage rund um Mytilini (die grösste Ortschaft auf Lesbos und unser momentaner Wohnort) machen. Schnell wurde uns bewusst, dass hier einiges anders läuft, als im Hafen von Piräus. Die zwei Hauptcamps „Moria“ (mit ca. 2500 Flüchtenden) und „Karatepe“ (mit ca. 800 Flüchtenden) waren für uns nicht zugänglich. Wir versuchten deswegen, Kontakt mit den zuständigen Leuten aufzunehmen, um diese kennen zu lernen und sie wissen zu lassen, dass wir jetzt das Attika führen und sie uns wann immer benötigt, benachrichtigen können.

Die Vorstellung, dass für die nächste Zeit der direkte Kontakt mit den Flüchtenden ausbleiben würde, war nach den schönen Erfahrungen in Piräus frustrierend. Doch als die ersten Leute bei uns vorbeikamen um verschiedenste benötigte Dinge abzuholen, wurde uns schnell klar, dass wir auch hier wichtige Arbeit leisten, diesmal halt mehr im Hintergrund. Nach einigen Tagen stiess Aris von SAO dazu. Er unterstützt uns, indem er uns den Van der Organisation zur Verfügung stellt, was die Logistik massiv vereinfacht. Auch mit seinem Wissen über die Insel hilft er uns sehr. Wir versuchen so gut wie möglich, mit den anderen Organisationen zusammen zu arbeiten.
Momentan sind wir jeweils morgens bis in den frühen Nachmittag in Attika. Seit einer Woche helfen uns sechs Flüchtende aus dem Camp "Moria". Ich bin sehr froh, haben wir das auf die Beine gestellt! Für uns sind sie eine grosse Hilfe und für sie ist es eine willkomene Abwechslung zum Alltag im Camp. Zusammen sortieren wir die Dinge im Lagerhaus und bearbeiten Bestellungen. Zum Schluss meines kurzen Einblickes in unsere Arbeit möchte ich noch einmal zum Spenden aufrufen. Einerseits werden Geldspenden immer benötigt. Hierfür findet ihr die Informationen auf der KuneAid Webseite oder auf unserer Facebookseite. Was aber genauso benötigt wird, sind Kleiderspenden. Vorallem Sommerkleidung für Männer gibt es nur noch sehr begrenzt. Für Kleiderspenden an Attika kontaktiert ihr am besten direkt SAO (Save Assist Outreach - www.sao.ngo). Danke!»


"peace to the world!"
Max

Max und seine Gruppe haben nun ein neues Projekt gefunden, welches zu KUNE Aid passt. Wir wollen noch nicht zu viel verraten, da noch nichts fix ist, aber es wird den direkten Kontakt mit den Flüchtenden wieder ermöglichen, das ist schon sicher. Wir werden euch auf dem Laufenden halten und sind gespannt auf die kommenden Veränderungen.