Energiegewinnung mal anders

Jeden Abend, wenn die Hitze nicht mehr so allgegenwärtig ist und die Sonne den Himmel in ein harmonisches Abendrot verfärbt, erwacht der Sportplatz im Camp „Pikpa “ zum Leben. Er ist zum Knotenpunkt von allen sportbegeisterten Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft geworden. In den Gesichtern der Flüchtenden und Volunteers wiederspiegelt sich die grosse Freude an Spiel und Sport, die alle miteinander verbindet. Unser nun täglich stattfindendes Sportprogramm hat grossen Anklang bei den Flüchtenden gefunden und zieht immer mehr Leute an.

Fussball spielen mit den Kindern und Kindgebliebenen

Fussball spielen mit den Kindern und Kindgebliebenen

Anfangs waren es vor allem die jüngeren, energiegeladenen Kindern mit denen wir verschiedene sportliche Aktivitäten durchführten. Mehr als einen Ball und motivierte Volunteers brauchte es nicht, um sie mit der Begeisterung für ein bestimmtes Spiel anzustecken. Das fröhliche Gejohle, die Freude bei einem Tor und die ausgelassene Stimmung machten dann auch die Teenager und Erwachsenen neugierig auf unser Sportprogramm und nach wenigen Abenden standen Gross und Klein vereint auf dem Sportplatz beisammen. Während dem die jüngeren Kinder einfach nur Spass am „Bällelen und Seich-machen“ hatten, waren die Älteren mehr an einem professionelleren Spiel interessiert. Vor allem  bei den jungen Männern ist Fussball hoch im Kurs. Ihre Motivation und ihr Ehrgeiz heizen schon mal die Gefühle an, was zu interessanten Spielen mit vielen Emotionen führt. Doch nicht nur die Männer waren vom Sport und dem gemeinsamen Auspowern angetan, sondern auch die Frauen begeisterten sich dafür.

Um eine Überdosis an Fussball zu vermeiden, spannten wir an einem Abend eine Schnur über das ganze Feld, definierten die Feldlinien und fingen an Volleyball zu spielen. So standen schlussendlich ganze Familien auf dem Spielfeld, um bei den Matches mitzumachen. Es war eine unglaublich tolle Atmosphäre und wunderbar mit anzusehen, wie der Sport alle Menschen miteinander verbinden kann. In diesem Moment war uns klar, dass unsere Idee, mit dem Sportprogramm den sozialen Zusammenhalt im Camp zu fördern, sich verwirklicht hat.

Gemeinsam mit den Volunteers aus Pikpa führten wir nun zusätzlich eine Yogastunde für die Frauen ein. So wurde ein Zelt zum Rückzugsort für die Frauen, wo sie Körper, Geist und Seele in Einklang bringen können. Zu unserer grossen Freude geniessen die Frauen das Yoga in vollen Zügen und geben selber Inputs für Übungen, wobei besonders die akrobatischen Yogaverrenkungen immer wieder für Lacher sorgen. Das angenehme Ambiente verströmt eine wohltuende Art, die ihnen hilft, sich für einen kurzen Moment von allem auszuklinken. Wir werden das abendliche Sportprogramm sicher weiterführen, da es von allen Seiten sehr geschätzt wird. So rennen die Kinder uns stets entgegen, wenn wir mit unserem Van ins Camp angefahren kommen. 

Namasté

Namasté

 

Dazu eine kurze Anekdote über unseren ausgeliehenen Van von SAO: Um die Kleiderkisten vom Warehouse in Attika in die Flüchtlingscamps zu transportieren, dürfen wir den Van von SAO benutzen. Dieser ist nicht mehr wegzudenken und wird fast als dazugehöriges Gruppenmitglied angesehen. Auffallender könnte er nämlich nicht sein mit seiner Grösse (nicht immer einfach zum manövrieren) und der knallgelben Farbe. So erkennen uns die meisten Leute am Van, wenn wir damit auf den griechischen Strassen herumkurven. Der Van hat schon vielen aus der Patsche geholfen und der Platz wird ständig optimal genutzt, da wir vielen Menschen eine kurze Mitfahrgelegenheit von A nach B anbieten. Daraus ergeben sich stets neue Bekanntschaften und wenn nicht gerade griechische Musik aus dem Radio dröhnt, wird ein kurzes Schwätzchen gehalten.

Nachdem wir eine weitere Woche das Fingerpainting in der Schule „Mosaik“ durchgeführt haben, wurden wir Teil eines grösseren Projekts, weshalb wir das Fingerpainting nicht mehr weiterführten. Unser Fazit: Überall Farbe (nicht nur auf den weissen Blättern), fröhliches Kinderlachen und ganz viele bunte und kreative Zeichnungen! 

Zu unserem neuen, längerfristigen Engagement: Wir haben begonnen im Flüchtlingscamp „Kara Tepe“ mit anzupacken, wo um die 900 Flüchtenden, vor allem Familien, untergebracht sind. Dort unterstützen wird die Organisation „Movement On The Ground“, welche zurzeit ein nachhaltiges Projekt zum Thema Energie verfolgt. 

Im Moment werden dort Solarpannels aufgebaut, um die Zelte mit Strom zu versorgen und wir haben bis jetzt bei der Verlegung der Kabel geholfen. Zudem führten wir Aktivitäten mit den Kindern durch und konnten beim Schwimmunterricht dabei sein. Das machen wir nun jeden Tag und es gibt immer unterschiedliche Arbeiten, die anfallen.

Harte körperliche Arbeit beim Graben der Kabelkanäle um die Zelte mit Strom zu versorgen

Harte körperliche Arbeit beim Graben der Kabelkanäle um die Zelte mit Strom zu versorgen

Eine Herausforderung für alle Organisationen sind die Sicherheitsvorkehrungen vor den Camps. In vielen Fällen darf man das Camp nicht betreten und der Zutritt ist nur wenigen Organisationen, wei zum Beispiel dem Roten Kreuz gestattet. Auch in «Kara Tepe» werden die Ein- und Ausgänge kontrolliert. Da KUNE jedoch mit der Organisation "Movement on the Ground" zusammenarbeitet, welche schon seit längerem Zutritt hat, dürfen wir nun auch in das Lager. Inzwischen ist das System soweit, dass Badges ausgestellt werden, mit denen man die Camps betreten darf. 

Leider hat uns Max nach mehr als zwei Monaten in Griechenland verlassen. Er hat Attika wieder auf Vordermann gebracht und einen sensationellen Job geleistet. Er wird einen Blogeintrag zum aktuellen Stand des Warehouses verfassen, welchen wir bald veröffentlichen können. Wir freuen uns, dass es so viele tolle Neuigkeiten aus Lesbos gibt und wir werden euch wie immer auf dem Laufenden halten.

Viel Farbe und viel Freude

Viel Farbe und viel Freude