Teatime

Wir planten schon längere Zeit, euch mehr zum Thema Tee in Piräus zu melden. Wir hatten aber so viel zu tun, dass dies nun ein wenig verspätet kommt.

Uns ist bereits zu Beginn unseres Einsatzes die Teekultur unter den Flüchtenden aufgefallen. Jede Familie hat mindestens einen Wasserkocher in ihrem Zelt und man wird immer mal wieder auf einen Tee eingeladen. Die Gastfreundlichkeit wird in der syrischen und in der afghanischen Kultur sehr hochgewertet, was uns schon zu Beginn eindrücklich aufgezeigt wurde.

Wir kamen dann auf die Idee, einen grossen Topf Tee zuzubereiten und am Abend nach 21.00 Uhr, sobald der Ramadan den Konsum von Lebensmitteln zulässt, Tee auszuteilen. Uns war es wichtig, auch Gastfreundlichkeit zu zeigen und eine gemeinschaftliche Aktivität zu initiieren. Deshalb haben wir dann sehr bald Unmengen von Schwarztee und Zucker gekauft und dazu auch einige Sonnenblumenkerne (diese werden traditionell zum Tee gegessen).

Leider gab es aber jeden Tag so viele Aufgaben höherer Priorität zu erledigen, dass wir unsere Pläne verschieben mussten. Eines Abends, nach einem anstrengenden und nicht sehr motivierenden Tag, entschieden wir uns dazu, die Teeverteilung nun doch durchzuführen, auch wenn wir noch so müde waren.

Wir bekamen die Möglichkeit, uns von der skandinavischen Organisation „Drop in the Ocean“ einen Gaskocher zu leihen und damit die grosse Menge Wasser zu kochen. Wir errichteten eine kleine Ausgabestelle auf dem Platz und begannen mit der Zubereitung. Es dauerte nicht lange und wir waren von einer Menschenmenge umgeben, welche grosses Interesse zeigte und uns beibrachte, wie man den traditionellen Tee kocht: Es ist wichtig, zuerst das Wasser zu kochen und die Beutel erst kurz vor dem Schluss beizugeben. Danach soll so viel Zucker wie möglich (das ist in unserem Verständnis wirklich sehr sehr viel ;)) ins Wasser gegeben werden.

Mit etwas Improvisation zum Erfolg.. Tee kochen funktioniert nämlich auch ohne Kelle...

Mit etwas Improvisation zum Erfolg.. Tee kochen funktioniert nämlich auch ohne Kelle...

Die Stimmung war wunderschön: Es war alles friedlich, es gab keine Auseinandersetzungen und alle waren fröhlich und glücklich. Wir mussten nicht einmal die Linien trennen. Alle warteten geduldig, bis sie ihren Becher Tee erhalten hatten und bedankten sich mit einem freundlichen Lächeln und ein paar netten Worten. Jung und Alt, Frauen und Männer, Syrer und Afghanen und sogar die Securitas Leute genossen gemeinsam ihren Becher Tee. Nebenan hatte eine andere Organisation ein Openair Kino aufgebaut, welches auch auf grosses Interesse stiess. Wir liessen unseren anstrengenden Tag ausklingen. Er hatte sich durch diese wertvolle Erfahrung ins Gute gewendet. 

Zucker, die wichtigste Zutat überhaupt..

Zucker, die wichtigste Zutat überhaupt..

Wir möchten am liebsten jeden Tag Tee zur Verfügung stellen können. Dazu haben wir nun einen strukturierten Arbeitsplan für die Volunteers erstellt. Dieser soll sicher stellen, dass alle wichtigen Aufgaben erledigt werden und trotzdem noch Ressourcen für die Teeverteilung übrig bleiben, indem die Zuständigkeiten und Zeitfenster klar geregelt sind. Wir hoffen, dass mit dem Plan das Arbeiten erleichtert wird und wir unsere Kräfte gebündelt dort einsetzen können, wo sie gebraucht werden.