Neues Camp in Skaramangas und unsere letzten Tage

Die letzten Tage unseres Einsatzes sind angebrochen. Wir organsieren bereits die Übergabe unseres Aufgabenbereichs an ein neues Team. Es ist meistens schwierig, Volunteers zu finden, die über längere Zeit konstant mittags und abends anwesend sein können. Glücklicherweise hat sich Nikos, ein Grieche, der selbst eine NGO aufgebaut hat, bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen. Zusammen mit Carmen aus Belgien wird er das Food Distribution Cluster von uns führen. Somit sollte die koordinierte Essensvergabe für einige Tage gesichert sein. Danke Nikos und Carmen!

Oft variiert die Verfügbarkeit der Volunteers von Tag zu Tag. An einem Tag tritt man einander fast auf die Füsse weil so viele Leute da sind, am nächsten ist es schwierig für alle Aufgaben Jemanden zu finden. In den letzten Tagen konnten wir wieder viele neue Volunteers einarbeiten und sind beruhigt, dass jemand an unsere Stelle tritt.

Tägliches Meeting der Volunteers um 11.00 Uhr

Tägliches Meeting der Volunteers um 11.00 Uhr

Seit ein paar Tagen kommen jeweils Busse vorbei und parkieren mit offenen Türen vor dem Camp. Diese Busse sollen die Menschen in andere offiziell anerkannte Camps bringen, welche von der Regierung betrieben werden. Oft steigt jedoch niemand ein. Die Befürchtungen, dass der Bus in ein Camp fährt, welches wie ein Gefängnis nicht mehr verlassen werden darf oder dass dies der Weg zurück in die Türkei ist, sind zu beständig. Aber Gerüchte gibt es viele und es ist gefährlich ihnen allen Glauben zu schenken. Jedenfalls haben bereits viele Syrer das Camp verlassen. Damit besteht unser Camp neu nun zur Hälfte aus Afghanen und zur Hälfte aus Syrern.

Zwei Volunteers aus unserem Camp sind den Bussen nachgereist und haben von den Zuständen der Camps berichtet. Die ersten Busse sind in ein Camp ganz in der Nähe von Athen gefahren. Es ist bei Skaramangas und ist den Berichten der Volunteers zufolge ziemlich gut. Die Menschen wohnen in Containern mit eigenen Duschen und einem richtigen Bett. Wie es bezüglich der Freiheit in den Camps aussieht, konnte bisher niemand genau sagen. Das Gerücht, dass es sich um ein ziemlich gutes Camp handelt, verbreitet sich aber auch unter den Flüchtenden und viele Leute sind an diesem Tag mit den Bussen abgereist. 

Der ganze Wirbel um die Abreise hat sogar dazu geführt, dass Familien getrennt wurden. Eltern wollten zuerst schauen wie das neue Camp aussehen würde und haben die Kinder bei Freunden zurück gelassen. Da man aber nur auf dem offiziellen Weg das Camp betreten und verlassen darf, ist eine Nachreise der Kinder nun schwierig. Um dieses Problem zu lösen versuchen nun einige Volunteers mit den Behörden Kontakt aufzunehmen und die Familien wieder zu vereinen.

Luca im Schwitzkasten

Luca im Schwitzkasten

Am Abend kam dann unser Essen aufgrund der neuen Camps auch später. Weil Essen am ersten Tag in Skaramangas knapp war, ist unser Foodtruck zuerst dort hingefahren und hat uns unser Essen erst um 22.30 Uhr gebracht. Die Stimmung im Camp hat sich aber beruhigt und das lange Warten stellte kein grösseres Problem dar.

In den letzten Tagen haben wir wiederum gehbehinderte Menschen transportiert. Diesmal ging es um zwei Männer, welche ihr Asylgesuch stellen wollten. Dies funktioniert momentan so, dass die Refugees in Büros einer NGO gebracht werden müssen, wo sie dann einen Video-Konferenz Termin mit den Behörden kriegen. Selbst beim Migrationsbüro vorbeizufahren funktioniert leider nicht. Also hat Tim zusammen mit Lucie aus den USA die Reise zum NGO Büro der Organisation quer durch Athen unternommen. Das Asylverfahren in Griechenland hat einige Schwachpunkte und ist mit der hohen Anzahl von Gesuchen heillos überfordert. Skype-Appointments gibt es nur zwischen 13.00 und 14.00 Uhr, drei mal wöchtentlich. Und Gerüchten zufolge sind zwei (!) Personen da, um diese Anrufe aus dem Raum Athen entgegenzunehmen. Bei über 5000 Flüchtlingen ist es also fast unmöglich einen Termin zu bekommen und eine Skype Verbindung zustande zu bringen. So fuhren auch Tim und Lucie ohne ein gestelltes Asylgesuch mit den zwei Männern wieder zurück ins Camp.

Weiter gab es Gerüchte, dass Flüchtlinge aus anderen Camps von den Reisemöglichkeiten ins gute Camp von Skaramangas im Gate 2 profitieren wollten und deshalb dorthin gekommen sind. Anscheinend hat die Polizei deshalb eines Tages plötzlich alle Tore zum Hafen geschlossen und überwachen lassen. Die Menschen im Hafen von Piräus können sich frei bewegen und verbringen den Tag oft in der Stadt. Wer an diesem Tag keine Papiere hatte kam weder rein noch raus. Dies sorgte für viel Aufruhr und Gerüchten zufolge wurden auch so wieder Familien getrennt. Drinnen im Hafen haben die Behörden dann alle Dokumente der Flüchtlinge mit einem Stempel versehen. Danach waren die Tore wieder offen. 

Am Donnerstag war das Ende unseres Einsatzes in Sicht und wir entschieden uns nochmals mit ein paar Volunteers und ein paar befreundeten Helfern unter den Flüchtlingen in einem Jazz-Lokal auf ein paar Bierchen zu gehen um die letzten paar Tage ausklingen zu lassen. Es wurde über Europa diskutiert, gelacht und gemeinsam getanzt.

Am Freitag werden wir die letzte Food Distribution übernehmen und uns dann vor der Heimreise in die Schweiz noch einen entspannenden Tag am Strand gönnen.

Bis bald!

Euer Kune Aid Team!