Die Festtage auf Lesbos

Der bis unters Dach gefüllte SAO-Van schlängelt sich langsam durch die kurvenreichen Strassen von Lesbos. Mit 20km/h bewegen wir uns über die alte Strasse mit vielen Schlaglöchern. Die Markierungen sind nur noch knapp erkenntlich. Das Ticken des Blinkers lässt mich erahnen, dass wir unser Ziel beinahe erreicht haben. Die Einfahrt ist sehr eng. Unter einer Pergola nähern wir uns einem kleinen Haus. Alles erinnert an ein normales Ferien-Bungalow, wären da nicht die Kisten, welche plötzlich hinter dem Haus auftauchen. Nicht nur zwei, drei Kisten, vor uns steht ein Freilicht-Kleiderlager. Zwischen den Kisten tauchen zwei freundlich lächelnde Personen auf. 

Der SAO-Van wird in der Fähre mit der Lieferung für die Nordküste beladen.

Der SAO-Van wird in der Fähre mit der Lieferung für die Nordküste beladen.

Zwei Stunden vorher fuhren wir in Mytilini in die eben angekommene Fähre, um eine dringende Kleiderlieferung aus Athen in den Norden der Insel Lesbos zu fahren. Wir befinden uns in Eftalou. Philippa und Eric Kempson sind schon vor langer Zeit auf die Insel gekommen. Das Ehepaar betreibt hier im Norden ein Notfall-Lager, in welchem die Flüchtenden bei der Ankunft das Allernötigste bekommen. Die durchnässten und unterkühlten Menschen erhalten trockene Kleidung und Wärme-Pads. Ein heisser Tee wärmt sie von innen.

Gemeinsam mit Philippa und Eric laden wir die Kisten aus dem Van. Sie offerieren uns einen Kaffee und wir betreten das kleine Haus. Mit einer Tasse frischem Kaffe, direkt neben einem knisternden Feuer erzählen sie von ihrem Alltag und zeigen uns Bilder von gekenterten Booten und Menschen im kalten Wasser. Der Blick von Eric schweift beim Erzählen in die Ferne. Als er das Kind aus dem Boot nahm atmete es noch. Wenige Minuten später verstarb es aufgrund der Unterkühlung in seinen Armen. Und dann gibt es da noch einige Menschen, welche die Flüchtenden als Bedrohung sehen und deshalb das Werk des Paars nicht mögen.

In den gesponserten Zelten werden wir einen Laden für die Menschen auf der Insel errichten. 

In den gesponserten Zelten werden wir einen Laden für die Menschen auf der Insel errichten. 

Kurz darauf verabschieden wir uns und fahren nach Attika. Zeitgleich trifft vor Ort ein Lastwagen ein, welcher wertvolle Fracht mit sich führt. Die Organisation "Médecins sans Frontieres (MSF)" sponserte zwei grosse Zelte, welche unmittelbar neben dem Warenhaus aufgebaut werden sollen. In den Zelten wird ein Shop errichtet. Das Attika-Team möchte damit den Menschen in den Camps die Möglichkeit geben, die Kleider selbst auszuwählen und nicht darauf vertrauen zu müssen, dass sich in den gelieferten Kisten das passende Stück befindet. Ausserdem möchten wir damit allen Menschen den Zugang zu Kleidern ermöglichen.

Mittlerweile stehen die Zelte bereits. In den nächsten Tagen erfolgt der Innenausbau und wir können es kaum erwarten, unsere ersten «Kunden» begrüssen zu dürfen. 

Weihnachtsfest neben dem Camp Moria. 

Weihnachtsfest neben dem Camp Moria. 

Gestern, am 24.Dezember, gab es neben dem Camp Moria ein grosses Weihnachtsfest. Die Organisation No Border Kitchen kochte für die 4500 Menschen Chapati, Tee und Suppe. Gemeinsam mit den Menschen auf der Flucht durften wir (und viele andere Organisationen) Weihnachten feiern. Mit vielen lachenden Gesichtern, tanzenden Kindern und vollen Bäuchen nahm dieser Tag ein schönes Ende. 

Ein Teil des Attika-Teams vor dem SAO-Van.

Ein Teil des Attika-Teams vor dem SAO-Van.